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Musiker haben mehr im Kopf sagen deutsche Forscher


Jena, 30.10. 2003. Egal ob Amateure oder Profis, Musiker haben Deutschen Forschern zufolge mehr im Kopf als andere Menschen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass regelmäßiges musizieren die für Sehen, Hören und Körperbewegung verantwortlichen Hirnregionen wachsen lässt. Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und der Harvard Medical School im amerikanischen Boston haben die Köpfe von musikalischen Laien, Amateurmusikern und Profis der Szene erforscht.

Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie konnte erwiesen werden, dass Musiker mehr Gehirnmasse besitzen als Nichtmusiker. Musiker verfügen über mehr graue Substanz in jenen Hirnregionen, die für das Sehen, Hören und die Steuerung von Bewegungen verantwortlich sind. An den aufgezeichneten Bildern lasse sich beispielsweise auch ablesen, dass Menschen, die ein Instrument spielen, ihre linke Hand deutllich mehr benutzen als solche, die kein Instrument spielen. Als Testpersonen dienten den Forschern Pianisten im Alter von 18 bis 50 Jahren.

Anscheinend reagiert das Gehirn ähnlich wie die Muskeln eines Sportlers, die ebensfalls durch Training wachsen, so die Forscher. Den wissenschaftlichen Nachweis für diese These wollen die Wissenschaftler mit einem neuen Projekt liefern, für das sie drei Gruppen fünf- bis siebenjähriger amerikanischer Schulkinder drei Jahre lang begleiten. Eine der Gruppen soll am normalen Musikunterricht in der Schule teilnehmen, die zweite erhält eine erweiterte musikalische Ausbildung und die dritte Gruppe erlernt ein Instrument. Dann werden in regelmäßigen Abständen Schichtaufnahmen von den Köpfen der Kinder gemacht, um das Hirnwachstum zu dokumentieren. Damit soll eindeutig geklärt werden, ob sich die Hirnstrukturen von Musikern von Geburt an von anderen unterscheiden und sie deshalb Musiker werden können oder ob sich Unterschiede in der Gehirnstruktur durch musiklische Übung von Kindesbeinen an entwickeln.


Musikunterricht positiv für Gedächtnis

Musik bringt das Gehirn von Kindern auf Trab: Musizierende Kinder üben nicht nur das Notenlesen und verbessern ihre Feinmotorik am Instrument, sie schneiden auch bei Gedächtnistests deutlich besser ab. Das ist das Ergebnis von Forschern der Universität Hongkong, das in der Fachzeitschrift "Neuropsychology" veröffentlicht wurde.

Bei Übungen wie dem Tonleiterspielen auf dem Klavier wird die linke Hälfte des Hirns entwickelt, die für das Wortgedächtnis und für musikalische Fähigkeiten zuständig ist. Die Psychologen aus Hongkong hatten das Wortgedächtnis von jeweils 45 Jungen eines Orchesters im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren mit den Merkfähigkeiten musikalisch nicht geförderter Altersgenossen verglichen. Bei dem Test sollten die Kinder aus der Erinnerung Wörter wiederholen, die sie auf einer Liste gelesen hatten. Dabei stellte sich heraus, dass musizierende Kinder sich an weitaus mehr Wörter erinnern konnten als solche, die kein Instrument spielen. Sie waren darin um so erfolgreicher, je länger sie Mitglied im Orchester waren.

Musik-Abbrecher erinnern schlechter

Nach einem Jahr wiederholten die Psychologen ihr Experiment. Jungen, die im Laufe des Jahres dem Orchester beigetreten waren, schnitten nun deutlich besser bei den Tests ab. Bei Kindern hingegen, die das Orchester verlassen hatten, blieb das Gedächtnis auf dem erreichten Niveau. Sie schnitten aber immer noch besser ab als Kinder, die nie ein Instrument gespielt hatten.
Gehirnhälften arbeiten Hand in Hand

Intensives Musizieren im Kindesalter hinterlässt - wie jedes andere intensive Training auch - sichtbare Spuren im Gehirn. Ähnlich wie Liegestütze den Bizeps schwellen lassen, lässt musikalisches Training das Gehirn wachsen. Außerdem ist bei Musikern die linke und rechte Hirnhälfte besser vernetzt. Besonders auffällig sind die Veränderungen in den Bereichen des Großhirns, die die Hände repräsentieren. Wer lernt, Gitarre oder Geige zu spielen, bei dem verbessert sich die Feinmotorik der linken Hand, die bei diesen Instrumenten genauer arbeiten muss als die rechte.

Jogging fürs Köpfchen

Je eher man beginnt, ein Instrument zu spielen, desto deutlicher sind die strukturellen Veränderungen im Gehirn - die anscheinend bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Musiker im fortgeschrittenen Alter haben ein überdurchschnittlich gutes Arbeitsgedächtnis. Ihre Gehirne zeigen viel weniger alterungsbedingten Abbau als die von Nichtmusikern. Offensichtlich ist Musizieren ein hervorragendes Gehirnjogging.

Quelle: B5 aktuell

MUSIK LÄSST DAS GEHIRN WACHSEN